Was bedeutet älter werden eigentlich???

Ehrenamtliche erklärt einer älteren Frau das Smartphone

Marianne dreht sich nach links, es ist 6:30 Uhr in der Früh. Sie kann nicht mehr weiterschlafen und beschließt aufzustehen. Alles geht nur noch step by step und mit viel Geduld. Ihre Glieder brauchen Zeit, um wach zu werden. Das Anziehen der Strümpfe ist das Schwerste für sie am Morgen. Manchmal, wenn sie lang genug schläft, kann ihr die Pflegerin, die ihr jeden Morgen einen Besuch abstattet, beim Ankleiden helfen. Doch als diese pünktlich um 8 Uhr ankommt, sitzt Marianne schon beim Frühstück mit ihrem entkoffeinierten Kaffee. Marianne findet, dass Susanne viel zu dünn ist und bereitet deshalb immer für beide ein üppiges Frühstück zu. Im Anschluss hilft Susanne Marianne bei der Körperpflege und ein wenig im Haushalt und mit dem Beantworten von Briefen etc. Gegen 11 Uhr verabschiedet sie sich wieder. Als Susanne das erste Mal vor 2 Jahren kam, kurz nachdem Marianne 75 Jahre alt geworden ist, war Marianne überhaupt nicht begeistert. Sie fühlte sich sogar ein wenig beschämt und war der Meinung, dass sie noch alles gut alleine hinbekommen würde. Aber mit zunehmenden Herz-Kreislauf-Problemen und einer Verschlechterung ihrer Parkinsonerkrankung musste sie sich schließlich eingestehen, dass ein wenig Hilfe im Alltag nicht schaden könnte. Außerdem war es insgeheim auch ganz schön, jeden Tag Besuch zu bekommen und nicht mehr alleine frühstücken zu müssen. Ihre Kinder waren sehr erleichtert, als sie sich endlich einsichtig zeigte und es kehrte wieder Frieden ins Familienleben ein. Eins hatten sie ihren beiden Söhnen aber klar gemacht, sie wolle auf gar keinen Fall ins Seniorenheim „abgeschoben“ werden.

Obwohl ihre beiden Söhne sie jeden Sonntag besuchen, manchmal auch mit ihren Enkelkindern, fühlt sie sich oft alleine, seit dem Tod ihres Mannes vor 5 Jahren. Seitdem schien alles langsam, aber stetig bergab zu gehen, denn sie ist zwischen 3-5-mal im Jahr auf einer Beerdigung. Ihr Freundeskreis wird immer kleiner und ihre Familie hat immer weniger Zeit für sie. Seit Kurzem bekommt sie 2-mal pro Woche Besuch von einer jungen Studentin, die für sie einkaufen geht. Meistens kommt Marianne mit einkaufen, da sie gerne vor die Tür geht und schaut, was so in der Stadt passiert. Außerdem findet sie es auch sehr schön, mehr aus dem Leben der jungen Leute zu erfahren. Tina, so heißt die 21-jährige Sozialwissenschaft Studentin, bringt frischen Wind in ihr Leben und zeigt ihr manchmal auch die neue Technik. Sie hat sie sogar dazu gebracht, sich auch ein Smartphone inkl. WhatsApp zu zulegen und nun kann Marianne ab und zu mit ihren Enkeln schreiben oder Videotelefonieren. Das ist eine große Bereicherung für ihr Leben. Nachdem Tina heute allerdings nur kurz vorbeischauen konnte, da sie in ein paar Tagen eine wichtige Prüfung hat, sitzt Marianne ratlos in ihrem Sessel und weiß nicht so recht, was sie machen soll. Sie will versuchen, so wie früher, Socken für die Familie zu stricken, doch nach ein paar Versuchen gibt sie auf, da ihre Hände zu sehr vom Parkinson zittern. Ein Blick zum Kalender sagt ihr, dass heute Donnerstag ist, da fällt ihr ein, dass Susanne ihr nahegelegt hat, doch mal am Altenkreis teilzunehmen, der sich jeden Donnerstag trifft. Ein zweiter Blick auf die Uhr sagt ihr, dass sie es noch rechtzeitig zum Treffen schaffen kann. Eine dreiviertel Stunde später steht sie inkl. „Rentnerporsche“, so nennen ihre Enkelkinder ihren Rollator, vor dem Gemeindehaus. Eine Frau mittleren Alters spricht sie an und erkundigt sich, ob sie auch zum Altenkreis möchte. Auf ihr Nicken hin hilft sie ihr die drei Treppenstufen hoch und begleitet sie zum Gemeinschaftsraum. 2,5 Stunden später ist Marianne wieder zu Hause in ihrem Wohnzimmer und erzählt beim Telefonat mit ihrem Sohn von ihrem schönen Tag, und dass sie zukünftig öfter die Treffen des Altenkreises besuchen wird. Nachdem sie noch etwas ferngesehen hat, macht sie sich gegen 21 Uhr bettfertig und legt sich lächelnd ins Bett. Ihr letzter Gedanke, bevor sie zufrieden einschläft, ist: „Vielleicht geht doch nicht nur alles bergab und es erwarten mich noch weitere schöne Zeiten. Ich lass mich überraschen.“

Vielen älteren Menschen geht es wie Marianne. Nachdem sie ihren Ehepartner verloren haben, haben sie oft den Lebensmut und Frohsinn verloren und fühlen sich einfach nur noch allein. Doch alt werden bedeutet nicht, dass alles schlechter wird. Man kann immer noch vieles machen und hat auch die Zeit, was Neues auszuprobieren und zu lernen. Man ist vielleicht nicht mehr so schnell wie in jüngeren Jahren, aber dafür geduldiger und voll mit Lebenserfahrungen, die auch beim Erlernen neuer Dinge hilfreich sein können. Egal ob betreutes Wohnen oder leben in einem Pflegeheim, man hat immer die Möglichkeit, sich weiter zu entfalten und neue Freundschaften zu knüpfen. Viele ältere Menschen wollen auch nicht den Anschluss verlieren und auf dem Laufenden bleiben. Die zunehmende Digitalisierung erschwert ihnen dies allerdings ein wenig. Sie kommen nicht so gut mit dem technischen Fortschritt klar, da sie nicht wie die jüngere Generation (Digital Natives) mit der Technik aufgewachsen sind. Deshalb gibt es viele Projekte, die sich darauf konzentrieren, die alte und junge Generation zusammen zu bringen, bspw. durch eine Studierenden-Senioren-Wohngemeinschaft. Hierbei zahlen die Studierenden weniger Miete und greifen dafür den Älteren im Alltag unter die Arme und die Senioren stehen den Studierenden mit Lebensweisheiten zur Seite. Außerdem gibt es viele Ehrenämter, bei denen bspw. junge Leute den Älteren den Umgang mit Smartphones und Computern erklären oder regelmäßig eine*n Senior*in besuchen, so wie es bei Tina der Fall ist. Dies ist nicht nur förderlich für die Senior*innen, sondern macht auch den jungen Leuten viel Spaß. Wenn auch Du Lust auf so ein Ehrenamt hast, dann schau doch mal in der FlexHero App vorbei, ob es auch in deiner Gegend ein solches Projekt gibt, bei dem du mitmachen kannst.

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