Gleichberechtigung statt Inklusion

16.10.2020

Gleichberechtigung statt Inklusion

Inklusion ist für unsere Gesellschaft ein wichtiges Thema. Dennoch entsteht zunehmend Kritik an dem Begriff und dem dazugehörigen Konzept. Viele Menschen assoziieren mit dem Begriff lediglich den Versuch, Menschen mit Behinderungen in die Gesellschaft zu integrieren, so Raul Krauthausen. Aber ist das schon genug? Reicht der Wille, es zu versuchen? Wenn es nach dem Blogger geht: nein! Der Begriff grenze zudem unsere Vorstellung von gesellschaftlicher Teilhabe zu stark ein, so Krauthausen.

Viele Menschen mit Behinderungen bemängeln, dass der Begriff Inklusion zu eng definiert ist. Aufgabe der Inklusion ist es, dass jeder Mensch in seiner Individualität von der Gesellschaft akzeptiert wird, unabhängig von seiner sozialen und kulturellen Herkunft, seines Geschlechtes, seiner Hautfarbe, Religion oder Behinderung. (Quelle: United Nations Sustainable Development). Somit bezieht sich die Inklusion nicht nur auf Menschen mit Behinderungen. Den Begriff nur auf diesen Aspekt zu reduzieren führe zu einem Fokus auf einen Personenkreis, der durch eine Behinderung betroffen ist, so der Erziehungswissenschaftler Karsten Exner. Somit bleiben die Menschen in einer „Behindertenrolle, der zufolge behinderte Menschen wesensmäßig andere Menschen sind als Nichtbehinderte“, so Exner weiter.

Deshalb sprechen sich viele Menschen für einen neuen Ausdruck, wie beispielsweise Empowerment, Gleichberechtigung oder gesellschaftlicher Teilhabe von Menschen, aus, um die Diskussion um die Inklusion nicht nur auf die Eigenschaft der Behinderung zu reduzieren.

Gerade die aktive Gestaltung der gesellschaftlichen Teilhabe ist ein wichtiger Faktor. Oft wird an Inklusionsprojekten kritisiert, dass diese zu passiv ausgerichtet sind und eine Teilhabe so nicht richtig gefördert wird. Für viele gilt das zum Beispiel für die Behindertenwerkstätten in Deutschland. Es ist zwar positiv, dass Menschen mit Behinderung in den Werkstätten arbeiten können, dennoch garantiert dies nicht automatisch, dass sie an der Gesellschaft voll teilhaben. Schließlich arbeiten Menschen mit Behinderungen in den Werkstätten isoliert von der Gesellschaft, wie von einigen Mitarbeitern in den Einrichtungen bemängelt wird.

Auch die UNO kritisiert die Werkstätten. In einem Bericht des Staatenbundes heißt es, dass sie weder auf den Übergang zum allgemeinen Arbeitsmarkt vorbereiten, noch diesen Übergang fördern. Es wird sogar empfohlen, die Werkstätte schrittweise ganz abzuschaffen (Quelle: Panorama 3).

Gesellschaftliche Teilhabe bleibt ein wichtiges Thema. Festzuhalten ist, dass es sich dabei um einen gesamtgesellschaftlichen Prozess handelt, den wir alle aktiv mitgestalten.  Das bedeutet in einigen Fällen auch, gegebene Konzepte zu hinterfragen und neue Strukturen zu entwickeln, damit alle Menschen im gleichen Umfang an unserer Gesellschaft teilhaben können. 

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