Diskriminierung von Menschen Mit Behinderungen

09.10.2020

Diskriminierung Behinderung

Menschen mit Behinderungen werden meist alltäglich mit Problemen konfrontiert und erfahren häufig Diskriminierung. Sei es auf dem Weg zur Arbeit, wenn sie aufgrund der mangelnden barrierefreien Infrastruktur einen Umweg nehmen müssen. Oder durch Mitmenschen, die unangemessene Fragen stellen oder Beleidigungen hinterherrufen. Dabei hat jeder achte Deutsche eine Behinderung offiziell angegeben, wobei die Dunkelziffer wahrscheinlich noch um einiges höher ist.

Aktuell sind viele Menschen mit Behinderungen von starker Diskriminierung aufgrund der Corona-Situation betroffen. Die meisten gemeldeten Fälle ergeben sich aus der Maskenpflicht. Denn manche Menschen können aus gesundheitlichen Gründen keine Maske tragen. Sie werden deshalb häufig vor Supermärkten oder öffentlichen Verkehrsmitteln abgewiesen, obwohl es für solche Fälle Ausnahmen durch die jeweiligen Länderverordnungen gibt. Außerdem ist es für gehörlose Menschen schwieriger sich zu verständigen, da sie wegen der Masken nicht mehr Lippen lesen können.

Menschen mit Behinderung haben laut der UN-Menschenrechtskonvention das Recht, ihre Arbeit frei zu wählen. Um die Einhaltung zu garantieren, wurde 2006 das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz – auch umgangssprachlich Antidiskriminierungsgesetz – eingeführt. Doch die Realität sieht leider oft anders aus. So haben viele behinderte Menschen die berechtigte Sorge, trotz passender Qualifikation keine Arbeit zu finden. Obwohl es gesetzlich vorgeschrieben ist, dass Arbeitgeber ab einer Betriebsgröße von 20 Mitarbeitern verpflichtet sind, mindestens 5 % der Arbeitsplätze an schwerbehinderte Arbeitnehmer zu vergeben. Das liegt daran, dass Arbeitgeber oft den alternativen Weg wählen – eine Ausgleichszahlung. Der öffentliche Dienst stellt zwar einen Sonderfall dar (dort muss jeder, der nicht offensichtlich ungeeignet für die Arbeitsstelle ist, zum Vorstellungsgespräch eingeladen werden), jedoch kommt es auch hier teilweise vor, dass behinderte Bewerber nur für die Quote eingeladen werden und dann unter Vorwand den Job nicht erhalten. Erfährt ein Arbeitnehmer mit Behinderung auf solche oder auch andere Weise Diskriminierung, so kann er vom Beschwerderecht Gebrauch machen. Der Arbeitgeber muss dann den entstandenen Schaden finanziell begleichen. Über die Höhe des Geldbetrags entscheidet das zuständige Arbeitsgericht. Dabei kann dem Arbeitgeber unter bestimmten Voraussetzungen auch das diskriminierende Verhalten seiner Arbeitnehmer zugerechnet werden.

Aufgrund oben genannter Gründe können Bewerber selbst entscheiden, ob sie ihre Behinderung offenlegen wollen. Wird im Vorstellungsgespräch nach einer Behinderung gefragt, muss nicht wahrheitsgemäß geantwortet werden, da diese Frage unzulässig ist. Anders ist es, wenn die Behinderung im Arbeitsverhältnis berücksichtigt werden soll, dann muss diese bereits im Bewerbungsschreiben genannt werden. Außerdem gibt es für schwerbehinderte Menschen einen besonderen Kündigungsschutz. Der Kündigung bedarf es einer Zustimmung des Integrationsamtes, damit sie rechtlich ist.

Und nicht zuletzt gibt es auch in der virtuellen Welt kein Halt vor Mobbing und Diskriminierung. Zwar können behinderte Menschen auf der einen Seite die sozialen Medien für sich nutzen und als Influencer Aufklärungsarbeit leisten. Doch auf der anderen Seite müssen sie sich auch vielen negativen Kommentaren aussetzen, die bekanntlich im Internet verstärkter auftreten als in der realen Welt. Erst vor kurzem kam wieder ein Trend auf, bei dem sich in gewissen Challenges über Autisten oder Menschen mit Down-Syndrom lustig gemacht wurde. Und die Musik App TikTok hat zugegeben, dass sie die Sichtbarkeit von behinderten Nutzern eingeschränkt haben. Zwar unter dem Vorwand, dass sie das Mobbing-Risiko eindämmen und die behinderten Nutzer schützen wollten, dennoch ist dies diskriminierendes Verhalten. Wenn Menschen mit Behinderung auf eine Liste mit dem Titel „besondere NutzerInnen“ gesetzt werden (wie es bei TikTok der Fall ist), sorgt das dafür, dass sie ausgegrenzt werden.

Es gibt noch viel Aufklärungs- und Inklusionsarbeit in diesem Bereich zu leisten. Jeder Einzelne ist daran beteiligt und kann mit seinen Worten und Taten einen Impact leisten. Wir sollten uns selbst fragen, wie viel wir eigentlich über dieses Thema wissen und bei Fragen nicht scheuen, direkt nachzufragen. Deshalb lautet auch der Leitspruch der UN-Behindertenrechtskonvention: „Nicht ohne uns über uns“.

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